Namenspatron

Caspar Heinrich von Sierstorpff

Caspar Heinrich von Sierstorpff, so sein vollständiger Name, wurde am 20.5.1750 in Hildesheim geboren. Er wurde streng erzogen, studierte zunächst Jura und wurde dann auf den diplomatischen Dienst vorbereitet. Nach einer Bildungsreise nach Italien kehrte er nach Hildesheim zurück, heiratete Marie Sophie von Brabeck und wurde Kammerherr des Kurfürsten von Trier. In seinen Diensten reiste er nach Köln, Koblenz, Holland, England und Belgien, 1777 gar nach Paris. Könnt ihr euch vorstellen, was es damals bedeutete, solche Reisen zu unternehmen? Diese Reisen haben sicherlich seinen Wunsch beeinflusst, beruflich einmal mit der Natur eine direkte Verbindung eingehen zu wollen. Leider konnte sein Vater ihm in Hildesheim kein Land vererben, allerdings eine größere Geldsumme. So suchte Caspar Heinrich nach einem Landgut, um seinen Wunsch nach Jagd, Landbau und Gartenbau zu erfüllen, fand aber in seiner Heimat kein geeignetes Objekt. Auf der Suche nach anderen Möglichkeiten stieß er dann auf Mineralquellen. Als er auf einer Reise von Paderborn nach Bad Pyrmont das Driburger Tal kennen lernte, regten ihn die Schönheit und der Quellenreichtum unserer Gegend dazu an, in Driburg etwas Ähnliches zu schaffen wie es in Bad Pyrmont schon gab. Zwar gab es seit 1777 in Driburg schon ein erstes Badehaus, aber ein Bad im neuzeitlichen Sinne wurde Driburg erst durch die Schaffenskraft des nun zum Braunschweigischem Oberjägermeister aufgestiegenen Caspar Heinrich von Sierstorpff.

Am 9.Mai 1781 schloss er mit dem Paderborner Fürstbischof einen Vertrag, um die Quellen zu nutzen; am 5.April 1782 erhielt er den Erbzinsbrief. Über 60 Jahre hat Caspar Heinrich seine ganze Schaffenskraft daran gesetzt, Driburg an die Spitze der deutschen Bäder zu bringen. Er hat den Driburger Brunnen ganz im Vertrauen auf die große Heilkraft des Driburger Wassers gepachtet und wusste, dass er ein hohes Risiko einging. Die Schwere seiner Aufgabe, die persönliche Mühe und den Kampf mit vielen Schwierigkeiten können wir uns heute kaum vorstellen. So musste er z.B. 1795 eine Zeit lang über 1000 kranke oder verwundete französische Kriegsgefangene einquartieren. Aber auch die Driburger Bürger standen in der Anfangszeit ihm feindselig gegenüber, weil sie um ihre alten Rechte an den Quellen fürchteten. Zudem neidete ihm Pyrmont seinen Erfolg. Caspar Heinrich bemühte sich von Beginn, seinem Bad ein angemessenes Gesicht zu geben. Er pflanzte eine Lindenallee nach Driburg an, erbaute das erste große Badehaus, er ließ den Sumpf, in dem die Quellen lagen, entwässern, er legte den heutigen Park an, er erbaute weitere Badehäuser, einen Ballsaal und eine Galerie, ein Armenhaus, Küchengebäude, Apotheke, die Brunnenhalle, ein Kaffeehaus, ein neues Wohnhaus, Gästehaus, ein Krankenhaus für arme Gäste, er fasste neue Brunnen ein…..Die damals entstandenen Bauten prägen noch heute das Gesicht des Bades.

Nicht vergessen darf man, dass Caspar Heinrich schon damals das Heilwasser in Flaschen füllen ließ und Driburger Wasser weithin transportiert und verkauft wurde.
Berühmte Ärzte der damaligen Zeit sorgten mit dafür, dass Driburg an Ansehen unter den Bädern zunahm. So schrieb bereits 1805 der berühmte Arzt Dr. Christian Hufeland, der unter anderen so berühmte Persönlichkeiten wie Goethe und Schiller behandelte: „Driburg gehört zu den ersten Bädern unseres Vaterlandes, ja unseres Weltteils, und wird es bleiben; die Moden mögen wechseln wie sie wollen.“

Aber auch berühmte Persönlichkeiten wie der Dichter Friedrich Hölderlin, die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff oder der Schriftsteller Peter Hille waren in dieser Zeit Gäste des Driburger Bades und steigerten seinen Bekanntheitsgrad. Die Gästezahlen stiegen in schöner Regelmäßigkeit. Im Jahre 1810 kamen z.B. 302 Badegäste, 1822 waren es etwa 600 Gäste, dann allerdings sanken die Zahlen wieder auf etwa 300 Besucher, weil die Badeanlagen nicht mehr zuließen. So blieb Driburg ein gemütliches Familienbad, in dem einer den anderen kannte. Nicht gekrönte Häupter suchten hier Heilung, sondern Angehörige des niederen Adels und des gehobenen Bürgertums. Ein Zitat eines Badearztes mag einen kleinen Einblick geben, wie das Kurleben der Gäste damals ausgesehen haben mag: „Gegen acht ist man mit dem Brunnentrinken fertig, und ein jeder sehnt sich nach dem Kaffee, der wohl nirgends besser schmeckt als am Brunnenorte. Nach dem Kaffee wird es in den Promenaden still, die Musik schweigt und jeder badet oder ruhet….nach der Tafel (Mittagessen) vertreibt man sich die Zeit mit dem Roulettspiel oder man trinkt seinen Kaffee, spaziert in den Promenaden oder führt die verabredeten Partien aus. Abends besucht man die gemeinschaftliche Teegesellschaft…, wo bei einer schönen Instrumentalmusik der Tag schnell verfliegt.“1842 starb der Begründer des Bades, Graf Caspar Heinrich von Sierstorpff, im hohen Alter von 92 Jahren. Ihm zu Ehren wurde auf der Höhe des Rosenberges vor der gräflichen Familiengruft ein Obelisk errichtet und die 1896 neu erschlossene Quelle „Caspar-Heinrich-Quelle“ benannt.

Die Driburger Bürger hatten anfangs den Ausbau des Bades verhindern wollen, hatten gar nachts mit Äxten und Hacken die Türen des Brunnengebäudes zerschlagen, weil sie die Quellen nicht mehr in gewohnter Weise nutzen konnten. Caspar Heinrich hatte sogar Militär angefordert, um gegen die aufgebrachten Bürger vorzugehen. Als das Militär schon bis Buke vorgerückt war, konnte man sich noch gütlich einigen. Nach und nach merkten aber die Driburger, dass alle Bürger vom Aufschwung des Bades Vorteil hatten. Die Entwicklung unserer Stadt und ihr Bekanntheitsgrad hat in besonderer Weise profitiert von der Entwicklung des Bades. Bis auf den heutigen Tag haben viele Bad Driburger Bürger ihren Arbeitsplatz im Gesundheitsbereich, z.B. in den Kliniken oder im Kurhotel des heutigen Badbesitzers Caspar Graf von Sierstorff.
Oder denkt an die vielen anderen Kliniken hier und an die Hotels, die von den Kurgästen leben. Aber auch die Gaststätten und alle Geschäfte hier im Ort profitieren von den vielen Gästen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung die Gäste für unsere Stadt haben, machen uns diese zwei Zahlen deutlich: Bad Driburg hat etwa 19 000 Einwohner und durchschnittlich 4000 Gäste befinden sich jeden Tag in unserer Stadt und bringen so manchen Euro in unsere Wirtschaft. Das gräfliche Bad beruht auf drei Säulen bzw. drei Geschäftszweigen:

– dem Mineralbrunnen
– den Kurkliniken
– dem Hotel- und Badebetrieb.

Über 800 Beschäftigte finden direkt und noch viele mehr indirekt Arbeit und Auskommen durch diese Betriebe. Die bahnbrechende Idee von Graf Caspar Heinrich v. Sierstorpff, das Mineralwasser zu vermarkten, ist bis heute Wurzel des Erfolgs.

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